Juglans regia – der Edle

Edelstes Holz und gesunde Nüsse. Welcher Baum ausser dem Echten Walnussbaum kann das schon von sich behaupten? Schon in der Steinzeit schätzten die Menschen das Sonnenkind Walnussbaum.

Der Echte Walnussbaum: Juglans regia. Juglans setzt sich zusammen aus Jovia glans, und alles zusammen bedeutet übersetzt so viel wie «königliche Jupiter-Eichel». Daraus kann man zweierlei schliessen. Einmal, dass die Nuss Fantasien beflügelt. Welche auch immer. Und zweitens, dass es die Römer waren, die den Baum vor 2000 Jahren aus Mittel- und Vorderasien mit nach Europa brachten.

Eine wahrhaftig echte Nuss

Lange war sie nicht einmal eine echte Nuss, die Walnuss, in der Schweiz eher als Baumnuss bekannt. Sie wurde bei den Steinfrüchten verortet, wie Kirschen oder Mangos. Heute ist sie aber offiziell als Nuss rehabilitiert und als eine sehr gesunde noch dazu. Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien, E- und B-Vitamine, Ballaststoffe, Zink, Selen … viel Gehirnfutter (der Samen sieht unserem Gehirn ja auch ein wenig ähnlich) und etliche Kalorien. Pro hundert Gramm etwa 700. Soviel muss es aber nicht sein, es heisst, drei Walnüsse würden einen Fisch ersetzen (was die Fettsäuren angeht).

Liebesleben im Windschatten

Im Frühling erscheinen zeitgleich mit dem Blattaustrieb die Blüten: männliche Kätzchen etwa vier Wochen vor den kleinen weiblichen Blüten. Beide Blüten sind am selben Baum zu finden, da der Walnussbaum monözisch (einhäusig) und heterodichogam ist. Das bedeutet, dass die männlichen und weiblichen Organe zeitlich versetzt reifen – mal öffnen sich die Kätzchen (Protandrie) zuerst, bei anderen Bäumen die weiblichen Blüten(Protogynie). Dies verhindert die Selbstbefruchtung. Die Bestäubung erledigt der Wind.

Aus den Blüten entwickeln sich über den Sommer die zahlreichen kugeligen Früchte mit der dicken grünen Schale. Diese umschliesst die verholzte, harte Schale. Darin ist der allbekannte, stark gefurchte Samen. Wenn der Samen so weit herangereift ist, wird die grüne Hülle schwarz und platzt schliesslich auf. Die reifen Nüsse fallen auf den Boden und werden von interessierten Konsumenten aufgesammelt.

Demente Eichhörnchen und schlaue Krähen

Auch zahlreiche Tierarten haben die Vorzüge der Walnuss für sich entdeckt. Sie ist unter anderem für Eichhörnchen, Siebenschläfer, Mäuse und Krähen eine wichtige Nahrungsquelle. Einige dieser Arten legen Walnussvorräte an – und vergessen dann, wo genau das nun gewesen ist. Auf diese Weise entstehen immer wieder neue Walnussbäume. Da Krähen die harten Nüsse mit ihrem Schnabel nicht selbst knacken können, lassen sie diese entweder aus grosser Höhe auf einen harten Untergrund fallen oder legen sie gleich auf Strassen, damit darüberfahrende Autos den kostbaren Samen freilegen.

Der Solist im Rampenlicht

Da der Walnussbaum nicht allzu häufig vorkommt und in der Forstwirtschaft auch nur wenig nachgepflanzt wird, ist sein Holz umso kostbarer. Die Farbe des Holzes reicht von hell- bis dunkelbraun und ist lebhaft gemasert. Es ist sehr biegefest, allerdings nicht witterungsbeständig.

Junge Walnussbäume haben eine helle, glatte Rinde. Ab dem Alter von etwa zwanzig bis dreissig Jahren bilden sie eine dunklere Rinde mit tiefen Rissen aus. Etwa 150 bis 200 Jahre alt werden Walnussbäume, unter Idealbedingungen auch älter. Idealbedingungen wären: viel Licht, Schutz vor Wind, tiefgründiger, nährstoffreicher Boden und zu frostig darf es auch nicht sein. Dazu benötigt der Walnussbaum für seine ausladende Krone auch noch eine Menge Platz. Als lichtliebender und konkurrenzschwacher Baum kommt er selbstredend selten in den engen Baumbeständen unserer Wälder vor. Ergo sind sonnige Freiflächen der perfekte Standort für den Walnussbaum. Er hat eine tief dringende Pfahlwurzel, die ihm seine Standfestigkeit verleiht.

Chemische Kriegsführung

An seinem Standort sorgt der Walnussbaum dann schon dafür, dass sein Platz auch ihm und nur ihm gehört. Über seine Wurzeln, Rinde und Blätter gibt er den Stoff Hydrojuglon ab.  Wenn diese Blätter auf den Boden fallen und das Hydrojuglon durch Regen und Bakterien oxidiert, entsteht das Juglon – dieses hemmt Keimung und Wachstum anderer Pflanzen. Dazu beschattet die fertig entwickelte Krone alles rund um den Baum, was nur wenigen, spezialisierten Pflanzen die Chance gibt, unter dem Walnussbaum zu ein Schattendasein zu führen.

Von Fruchtbarkeit und Sünde

Auch christliche Mönche verknüpften übrigens die Walnuss mit der Fruchtbarkeit der Frau, allerdings nicht positiv konnotiert. Im Gegensatz zu den Römern, bei denen Walnüsse zur Steigerung der Fruchtbarkeit bei Hochzeiten gestreut wurden, wurde die Walnuss an manch christlichem Ort als Symbol für Wollust und Sünde gebrandmarkt. So richtig durchgesetzt hatte sich das aber wohl schon zu Lebzeiten jener Mönche nicht, die Walnuss wurde immer gerne gegessen, verbacken und als gutes Omen gesehen.